Gründungsversammlung

Erhält Wiesenbach eine „Bürgerwehr“



Pflege alter Tradition, Pflege schönen Brauchtums wird in Wiesenbach groß geschrieben. Die Kulturgemeinschaft be­trachtet es als eine ihrer Aufgaben, gerade auch in dieser Beziehung etwas Besonde­res zu tun. Das ist schon seit Jahren so. Man pflegt das Laienspiel, man hat eine Biedermeiergruppe geschaffen, die auch in anderen Gemeinden bei Heimatfesten und ähnlichen Anlässen mit Recht Aufse­hen erregt, man hat längst den traditionel­len Ritter von Kyburg wieder aufleben lassen und nun reift ein neuer Plan: Eine Bürgerwehr soll ins Leben gerufen wer­den.

 

Am Dienstagabend, den 7. Dez. 1965 hat­te Karl-Heinz Ruff die mit ihm verbunde­ne Jugend, aber auch ältere Interessenten zu einer Versammlung ins Gasthaus „Zum Stehwagen“ eingeladen, um mit ihnen über die Gründung einer Bürgerwehr zu disku­tieren. Man freute sich besonders darüber, dass der Kommandant der Weinheimer Bürgerwehr, Karl Kreis, und sein Stell­vertreter Hermann Böhler nach Wiesenbach gekommen waren, um einen Ein­blick in die Geschichte der Bürgerwehren, die Organisation der heutigen, historischen Bürgerwehren und die Satzung des Landesverbandes zu geben. Dabei erfuhr man, dass es in der hessischen Nachbar­schaft nur eine Bürgerwehr gibt, nämlich in Bensheim. In Baden und Württemberg gibt es eine ganze Reihe solcher Gruppen:

In Weinheim, in Bretten und weiter süd­lich bis zum Bodensee insgesamt 17 in Baden. Wiesenbach wäre also die 18. Bürgerwehr.

 

Voraussetzung für die offizielle Gründung einer Bürgerwehr in Wiesenbach wird der Nachweis sein, dass es vor etwa 400 Jahren eine echte Bürgerwehr in der Gemeinde gegeben hat (was nach den engen histori­schen Bindungen Wiesenbach zu Schön­au, Weinheim usw. eigentlich kaum zwei­felhaft sein dürfte). Weinheim übernimmt die Patenschaft, wenn es zur Grün­dung der „Wiesenbacher Bürgerwehr“ kommt.

 

Nun, der Anfang dazu ist gemacht. Alle Stimmberechtigten, ohne eine Ausnahme, bekundeten ihr Interesse an einer Wiesenbacher Bürgerwehr. Die Wein­heimer Gruppe erklärte sich spontan be­reit, den Wiesenbacher Kameraden als Patengabe ein Seitengewehr leihweise zu überlassen, und die Brettener Gruppe wird als Gründungsgeschenk den Wiesen­bachern einen Tschako überreichen. Wenn es also klappt und daran sollte ei­gentlich kaum ein Zweifel bestehen, wird Wiesenbach in absehbarer Zeit eine historische Bürgerwehr haben.

„Seien Sie froh, dass Sie einen Herrn Ruff haben, der sich mit soviel Initiative und soviel Energie einer guten Sache verschrie­ben hat“, rief der Kommandant der Weinheimer Bürgerwehr, Karl Kreis, den neuen Wiesenbacher Freunden zu.

 


zurück