Stellungnahme des Landeskommandanten Riederer (Ettlingen) zur
beabsichtigten Gründung einer Bürgerwehr in Wiesenbach
Wird bei dem großen historischen Umzug
der Bürger- und Burgwehren zum Peter- und Paulsfest am 3. Juli 1966 in Bretten
auch eine Wiesenbacher Abordnung in schmucken Uniformen mitmarschieren? Die
Möglichkeit ist jedenfalls gegeben, wenn nicht andere Gründe dagegen sprechen:
Denn bei einer Besprechung, die im März 1966 im „Löwen“ in Wiesenbach
stattfand, überbrachte der Landeskommandant
der Burg- und Bürgerwehren Badens und Hessens, Riederer, eine Einladung
zu dem, wie er sagte, „für jeden unvergesslichen Fest“. An der Besprechung,
die der Vorsitzende der Kulturgemeinschaft, Karl-Heinz Ruff, leitete, nahmen
neben dem vorläufigen Führungsstab der Gruppe aus Wiesenbach und dem
Kommandanten der Bürgerwehr Weinheim auch Gemeinderäte als „stille Beobachter“
teil.
Grundsätzlich sei die
Kulturgemeinschaft betonte Vorsitzender Ruff bei all ihren Überlegungen davon
ausgegangen, auch eine Jugendorganisation zu schaffen, die sich zwar in
eigener Verwaltung, aber nicht ohne die Kulturgemeinschaft, selbst aufbaue. Der
Erfolg habe der Kulturgemeinschaft, als man sich entschloss eine
Traditionsgruppe aufzubauen, inzwischen Recht gegeben. Denn, nachdem der
Biedermeiergruppe inzwischen 16 Mädchen angehörten, hätten sich bis jetzt 25
Jungen bereiterklärt, bei der zukünftigen „Bürgerwehr“, so soll die
ursprünglich unter der Bezeichnung Burgwehr geplante Truppe heißen,
mitzumachen.
Landeskommandant Riederer kündigte
an, dass im September bei der Kommandantentagung in Bensheim über das
Aufnahmegesuch der Wiesenbacher Bürgerwehr beschlossen werde. Er selbst halte
die vorgelegten Unterlagen für ausreichend, um als Mitglied in den Verband
aufgenommen zu werden. ( Bei den Unterlagen handelt es sich um das Urbarweistum
des Meckesheimer Cent aus dem Jahre 1369 und die Notiz über Reispflicht und
Reisgeld aus der Dilsberger Protokoll-Abschrift von 1681, aus denen hervorgehe,
dass Wiesenbach Männer zur Verteidigung der Burg Dilsberg stellen oder falls
Leute fehlten, dafür Wehrgeld als Ersatz zahlen mussten.) Es sei, meinte der
Kommandant, schließlich kein Unterschied, ob die Bewohner der freien Städte zur
Verteidigung ihrer Mauern Wehren aufstellten oder aber Bewohner der Dörfer zu
ihrem oder zum Schutz der nahe liegenden Burgen oder Schlössern zu Wehrdiensten
herangezogen worden seien.
Auf Anfrage eines Gemeinderates, ob
eine solche Bürgerwehr nicht nur von der Gemeinde selbst gegründet
werden könnte, sagte Kommandant Riederer, dass alle Wehren des Verbandes
ursprünglich auf freiwilliger Basis von Bürgern aufgestellt worden seien und
sich jetzt der vollen Unterstützung ihrer Gemeinden erfreuten.
Abschließend dankte Karl-Heinz Ruff Kommandant Riederer für seine
Unterstützung sowie die Einladung nach Bretten und kündigte an, dass sollte
die Wiesenbacher Bürgerwehr in den Verband aufgenommen werden die Vereidigung
der Truppe 1967 in Anwesenheit aller Bürgerwehren Badens und Hessens in
Wiesenbach stattfinden werde.